WdJ 2016

Geschichte im Wald erleben

Die wechselhafte Geschichte des Wermsdorfer Waldes ist auch noch heute an einigen markanten Punkten erlebbar. Am besten lassen sich diese zu Fuß oder mit dem Rad erreichen. Hier kann man die Jagdgeschichte des Wermsdorfer Waldes unmittelbar erleben, da man sich zumeist auf den ehemals für die Parforcejagd angelegten Schneisen bewegt. Neben den Sehenswürdigkeiten in Ortslage, wie die Hubertusburg oder das Alte Jagdschloss Wermsdorf, liegen viele dieser Zeitzeugen auch im Wald selbst.

Von 1968 bis 1993 fanden im Westlichen Wermsdorfer Wald durch die Pädagogische Hochschule Dresden und die Friedrich-Klemm-Gesellschaft archäologische Ausgrabungen statt. Das hier entstandene Kulturlandschaftsmuseum lädt mit anspruchsvoll gestalteten Schautafeln in eine 3200 Jahre währende Zeitreise in der Vergangenheit von Wermsdorf und seinem Wald ein. Hier lässt sich die Siedlungsgeschichte der Region beginnend mit der bronzezeitlichen Lausitzer Kultur bis zur slawischen und später deutschen Besiedelung zwischen dem 7. und dem  14. Jahrhundert nachvollziehen. Zu sehen sind neben Flach- und Hügelgräbern unter anderem Grundmauern des hochmittelalterlichen Dorfs Nennewitz.

Ein weiteres Highlight im Wermsdorfer Wald ist der 312 m über NN gelegene Collmberg. Auf dem Gipfel befindet sich neben einem 100 m hohen Richtfunktturm und dem Observatorium Collm auch der 18 m hohe Albertturm als markantes Wahrzeichen der Region. Dieser wurde 1854 errichtet und war im Jahr 1865 eine wichtige Station der mitteleuropäischen Gradmessung. 1931 wurde das Geophysikalische Observatorium Der Universität Leipzig eingeweiht und ab 1935 werden hier Erdbeben aufgezeichnet. Die Ortschaft Collm selbst hat eine weitere Besonderheit zu bieten: Hier gibt es eine über 1000 Jahre alte Linde, unter der schon Martin Luther geruht haben soll.

 

Bild 34 Uwe Lange (71)
Die Linde im Ortsteil Collm ist schon über 1000 Jahre alt und innen hohl. Ihr Umfang beträgt 11 m und Martin Luther soll sogar unter ihr Rast gemacht haben.
(Foto: Uwe Lange)

 

An der alten Poststraße von Wermsdorf nach Sachsendorf steht die Halbmeilensäule. Mit der Fertigstellung von Schloss Hubertusburg erfolgte auf Geheiß Augusts des Starken 1724 auch die Verlegung der Poststraße Dresden-Leipzig über Wermsdorf. Bei dieser Halbmeilensäule aus Sandstein des Elbsandsteingebirges handelt es sich um die letzte vollständig erhalten kursächsische Postsäule.

 

Bild 35 Uwe Lange (91)
Die Halbmeilensäule steht an der Alten Poststraße. Eine Schautafel erläutert ihr Geschichte und ihre Besonderheiten.
(Foto: Uwe Lange)

 

Weiterhin finden sich im Wermsdorfer Wald zahlreiche Gedenksteine. Der Gedenkstein „Franzosengrab“ zwischen Döllnitz- und Horstsee erinnert an die zahlreichen Toten der Napoleonischen Kriege. Das Zinkernagel-Denkmal ist dem Oberforstmeister Carl Zinkernagel (1802-1887) gewidmet, der als ehemaliger Schüler Cottas lange Zeit im Wermsdorfer Wald wirkte. Nur wenige haben des Bild und die Entwicklung des Wermsdorfer Waldes so sehr geprägt wie Zinkernagel. Er war entscheidend an der Umsetzung von Cottas Plänen zur Umwandlung des Wermsdorfer Waldes hin zum Fichtenforst beteiligt, ist aber auch für die gezielte Einbringung von Laubbäumen bekannt. Noch heute lassen sich „Zinkernageleichen“ vereinzelt im Wald finden. Der „Arnimstein“ erinnert an einen tragischen Jagdunfall bei einer Hofjagd aus dem Jahre 1908. In Folge dieses Unfalls musste bei späteren Hofjagden immer ein Leibarzt anwesend sein und der Gedenkstein wurde bereits 1909 gesetzt. Zuletzt erinnert der „Zeppelinstein“, wie der Name schon vermuten lässt, an die Landung des Luftschiffes „Sachsen“ im Jahre 1904 auf der Kuhteichwiese.

 

Bild 36 Uwe Lange (7)Das Franzosengrab im „Lindigt“ erinnert an die Gefallenen der Völkerschlacht. An dieser Stelle wurden die Verwundeten,
denen man im Lazarett der Hubertusburg nicht mehr helfen konnte, begraben.
(Foto: Uwe Lange)