WdJ 2016

Geschichte des Waldes

Der Wermsdorfer Wald ist ein Waldgebiet mit einer sehr wechselvollen Geschichte und sein Schicksal war lange Zeit an die sächsischen Kurfürsten und später Könige geknüpft. Als Mitte des 16. Jahrhundert die sächsischen Kurfürsten den Besitz über den Wermsdorfer Wald erlangten, befand sich dieser aufgrund von intensiver Holznutzung, Waldweide und Streunutzung sowie auch durch einen stark überhöhten Wildbestand in einem schlechten Zustand. Kurfürst Friedrich August I., König von Polen, - gemeinhin als „August der Starke“ bekannt -, zeigte großes Interesse an der Jagd und den Wäldern, die dafür vor allem als Kulisse dienen sollten. Er übergab das Wermsdorfer Jagdschloss im Jahre 1696 seinem Statthalter Fürst Egon von Fürstenberg als seinen Stammsitz und beauftragte v. Fürstenberg, den Wermsdorfer Wald für die aus Frankreich übernommene Parforcejagd einzurichten. In dieser Zeit entstand das heute noch teilweise in Relikten vorhandene geradlinige Schneisensystem. Das neue Jagdschloss, die Jagdresidenz Hubertusburg, entstand ab 1721 – eines der größten und ehemals prächtigsten Landschlösser Europas. Hier wurde mit dem „Frieden von Hubertusburg“ im Jahr 1763 der Siebenjährige Krieg beendet.

 

Bild 11 historische Wegekarte neu

Historische Karte der Waldeinteilung und des Schneisensystems im Wermsdorfer Wald.
Grundlinie ist die Alte Poststraße, also die direkte Sichtverbindung zwischen der Hubertusburg und dem Dom zu Wurzen.

 

Den devastierten, vorratsarmen, verlichteten und durch die Jagdnutzung geprägten Wermsdorfer Wald taxierte 1822 Heinrich von Cotta, Begründer der Forstakademie Tharandt. Er legte den Grundstein für die planmäßige forstliche Bewirtschaftung, indem er den Wildbestand und die Viehhütung im Wald verringerte, regelmäßige Kahlschläge zur nachfolgenden Verjüngung einführte und zugleich die planmäßige Umwandlung in Nadelwald forcierte. Diese Zeit wurde im Wermsdorfer Wald besonders durch das Wirken des Forstmannes Carl Heinrich Willhelm Zinkernagel geprägt, der das sachsenweit angewandte Standardverfahren zur Begründung von Fichtenkulturen entwickelte. Zinkernagel war es aber auch, der über Heisterpflanzung an vielen Waldorten Eichen bewahrte, die heute einen Teil des genetischen Reservoirs für den Waldumbau darstellen. Folgende Förstergenerationen errichteten ihm zu Ehren in einem vom ihm begründeten Eichenbestand das „Zinkernagel-Denkmal“. Dennoch lag seinerzeit das Hauptaugenmerk forstlichen Handelns im Fichtenanbau und so kam es, dass um 1900 der Anteil der Nadelhölzer von anfangs sechs Prozent auf ca. 90 Prozent anstieg. Jedoch führten – wie auf den Pseudogleystandorten zu erwarten - Zuwachsrückgänge in der zweiten Fichtengeneration und für die Baumart Fichte zu geringe Niederschläge zur Gefährdung der Bestände und demzufolge wiederholten biotischen sowie abiotischen Schäden. Dies zog 1922 einen Beschluss zur Abkehr von der reinen Fichtenwirtschaft nach sich. Ab den 1930er Jahren konnte daran auch Johannes Blanckmeister, Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Forstwirtschaft, als Forstmeister in Wermsdorf mitwirken. Bis 1980 war der Nadelholzanteil z.T. unter Anwendung aufwendiger Waldbauverfahren (Wermsdorfer Verfahren) bereits auf 60 Prozent gesunken. Nach der politischen Wende wurde der Waldumbau zurück zum Laubholz mit dem Wermsdorfer Wald als Schwerpunktgebiet und mit großer Intensität fortgesetzt. Durch entsprechende Maßnahmen im Landeswald sowie über Beratung und Betreuung der privaten und kommunalen Waldbesitzer über Mitarbeiter des Sachsenforstes wird in den nächsten zwei Jahrzehnten eine weitere Verringerung des Nadelholzanteils auf 40 Prozent angestrebt.

 

Bild 12 Zinkernagel
Zinkernagel-Denkmal: Der Oberforstmeister Zinkernagel prägte wie kaum ein anderer die Entwicklung und vor allem
die Veränderung des Wermsdorfer Waldes im 19. Jahrhundert. Noch heute findet man vereinzelt „Zinkernageleichen“,
die auf sein Geheiß verstreut im Wald als Heister gepflanzt wurden.